Die Königin der Blumen - die Rose, gilt als Symbol der Schönheit und Liebe, aber auch als das Sinnbild von Bulgarien, da unser Land zu den größten Rosenanbaugebieten weltweit gehört. Bulgarien destilliert ca. 1,5 Tonnen Rosenöl pro Jahr und liefert dadurch 70 % der Weltproduktion an Rosenöl.
Rosa×damascena wird hauptsächlich in Bulgarien, Frankreich, Marokko und der Türkei angebaut. Durch doppelte Wasserdampfdestillation von den gerade geöffneten Blüten wird naturreines ätherisches Rosenöl gewonnen. Das bulgarische Rosenöl ist das feinste und auch zugleich das teuerste Rosenöl, mit noch vollerem und vielfältigerem Duft im Vergleich zu den Produkten der weiteren Rosenölanbieter. Die Ausfuhr ist vorwiegend nach Frankreich, den USA und Japan ausgerichtet.
Da die Rosen nur sehr wenig von ihrer flüchtigen, heilenden Essenz hergeben, gilt das Rosenöl als ein der teuersten Rohstoffe in der Parfümerie. Aus drei Tonnen Blüten wird ungefähr ein Liter Rosenöl destilliert - in einem Tropfen Rosenöl steckt mithin der Duft von ca. 30 Duftrosen. Angesichts der niedrigen Ergiebigkeit von lediglich 0,02 bis 0,05 % ist auch der hohe Preis gerechtfertigt.
Die Bulgarische Rosa×damascena wird bereits seit Jahrhunderten am südlichen Abhang des Balkangebirges angepflanzt, bekannt als das Rosental Bulgariens, dessen Zentrum das malerische Städtchen Kazanlak darstellt. Die Saison für das Pflücken der Rosenblätter dauert von Mai bis Juni. Die Blütenblätter werden sehr früh morgens geerntet, denn da ist ihr Ölgehalt am höchstens. Die Blüten werden vorsichtig einzeln abgeschnitten und in Weidenkörbe gelegt. Wenige Stunden nach dem Pflücken werden sie in einem schonenden Verfahren in Dampf destilliert. Bei dieser Destillation bleibt am Ende Öl und Wasser zurück. Vermarktet werden diese Produkte als Rosenöl und Rosenwasser.
Jeden Frühlig wird im Rosental das Festival der Rose gefeiert - es wird der Brauch der traditionellen Rosenernte vorgespielt, es gibt viel Musik, Tänze, duftende Blumenkränze, begeisternde Stimmung. Dabei wird auch eine Rosenkönigin - die schönste von allen Mädchen, gewählt.
Eine Liebeslegende erzählt wie die Bulgarische Rose - Rosa×damascena, aus Kleinasien in die bulgarischen Gärten gekommen ist:
Das Rosental
Es lebte einmal in Persien ein reicher Schach. Seine Frau hatte leider sehr früh die Welt verlassen, und nur die herrliche Tochter blieb ihm als Trost und Freude, Hoffnung und Stütze. Sie mochte besonders gern den Rosenanbau, deshalb wuchsen im Palastgarten Rosensträucher aus aller Welt. Sie verströmten ihren zarten Duft und verjagten die Trauer und die Einsamkeit, wenn der Vater mit staatlichen Angelegenheiten beschäftigt war oder irgendwohin in den Krieg zog.
Vom letzten Krieg zurückkehrend hatte der Schach viele feindlichen Soldaten in Gefangenschaft genommen. Er wollte seinen Sieg verewigen, indem er eine Moschee aufbauen ließ, sodass man von ihrem Minarett aus den ganzen Rosengarten überblicken vermag. Der Schach hat es versprochen, drei Wünsche jenem zu erfüllen, der mit dieser Aufgabe in drei Tagen zurechtkam, wenn nicht aber – sollte der mit seinem Kopf zahlen – der Herrscher war eindeutig und erbarmungslos. Deshalb wagte niemand diese Herausforderung auf sich zu nehmen.
Nur ein Bursche aus Bulgarien, berühmter Baumeister in seinem Land, entschloss sich, sein Glück zu versuchen. Er lag die Bausteine für die Moschee. Jeder Stein aber schien ihm schwerer und schwerer und in seiner Verzweiflung sah er schon den Todesgeist ihm anlächelnd. Der Bursche gab aber nicht auf – am ersten Tag errichtete er die Mauern so hoch, dass er den feinen Rosenduft riechen konnte. Er atmete tief ein, und ungeahnte Kraft füllte seinen Körper. Als am zweiten Tag der Bulgare die Jungfrau inmitten der Rosensträucher sah, hatte er keine Zweifel mehr, dass er seine Mühe besiegen musste. Am dritten Tag hatte der Meister das Moscheebau zu Ende gebracht, und vom Minarett aus konnte man die ganze Herrlichkeit des Rosengartens genießen. Der Bursche suchte ständig den Blick des Mädels, ihre Augen waren die einzige Quelle von Inspiration und Mut.

Der Schach war völlig zufrieden und sein Wort haltend fragte er den Bulgaren nach seinen Wünschen.
- Mein erster Wunsch, sagte mutig der schwarzhaarige Bulgare,- ist, dass Sie meinen gefangenen Landsleuten die Freiheit schenken.
- So solle es sein! – erwiderte bewillegend der Schach.
- Zweitens, geben Sie den Armen so viel Geld wie viel der Moscheebau gekostet hat.
Der großzügige Herrscher war bereit auch diesen Wunsch gleich zu befriedigen.
- Und mein dritter Wunsch... – nun war der Bursche nicht so entschlossen – ich möchte das Mädchen, das ich in Ihrem Rosengarten gesehen habe, für Frau.
Da wurde der Schach auf einmal zornig – das war doch seine einzige Tochter.
– Sperrt ihn im Gefängnis ein und schlagt ihn bis er seinen letzten Wunsch vergisst!
Für alle im Palast war das Wort vom Schach ein Gesetz, nur nicht für dessen Tochter. Und das nicht, weil sie verwöhnt oder ungehorchsam war. Nein, sie war zum ersten Mal verliebt, verliebt aus allem Herzen! In der Nacht schlich sie heimlich ins Gefängnis ein, machte die schwere Tür auf und beide machten sich auf die Socken.
Leider stand ihnen die Wüste im Wege – ein Hindernis, das über die Kräfte der zarten Jungfer war. Sie fühlte schon ihre Ohnmacht und bat ihren Geliebten, dass er den Rosenstrauch, den sie vom Garten mitgenommen hatte, in seine sonnige Heimat brachte. Umsonst bat sie der Bursche, dass sie ihn nicht allein ließ, er streichelte ihr die Haare, das Gesicht, leider konnte er sie vom eisigen Todeskuss nicht retten. Da brich der Bulgare in Tränen aus, die die Rosenknospen aufblühen ließen, mit ihren duftigen Blättern forderten sie nun ihn auf, dass er schneller in sein Heimatsland zurückkehrte und dort einen Rosengarten anpflanzte.
So geschah es auch. Der Bursche pflanzte den Rosenstrauch – die einzige Erinnerung von seiner Geliebte – zwischen Balkan- und Mittelgebirge, im Herzen Bulgariens an.
Heute noch wuchsen schöne Rosen dort, verströmen ihren feinen Duft und erfreuen die Verliebten mit ihrer Schönheit. Man nennt diese herrliche Landsecke das Rosental Bulgariens.
Verfasserin: Nadezhda Ignatova