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Akad. Andrej Saharov Str. 19
9000 Varna, Bulgarien

Sofia – eine der ältesten Städte Europas

Veröffentlicht am: 23 09 2013

Alljährlich begeht die bulgarische Hauptstadt am 17. September ihren Feiertag. Er ist jedoch nicht der Gründungstag von Sofia, sondern der Namenstag, wobei die Geschichte der Namensgebung selbst recht kompliziert ist.

Sofia wurde am 3. April des Jahres 1879 zur Hauptstadt des neuen bulgarischen Staates nach der Befreiung von der annähern 500-jährigen türkischen Fremdherrschaft ausgerufen. Bis vor einigen Jahren war der 3. April Feiertag der Hauptstadt. Man verlegte ihn jedoch auf den Namenstag, weil dies den Stadtvätern mehr zusagte.

Die Stadtgründung Sofias liegt im Dunkeln der Anfänge der Geschichtsschreibung. Ihr Name änderte sich, doch immer wieder stößt man in den Quellen auf sie, ohne von den Geschichtsschreibern eine Andeutung auf ihr ehrwürdiges Alter zu erfahren. Erst die Archäologie übermittelte uns mehr Informationen.

Bereits in der Jungsteinzeit (um 6 500 v.Ch.) war das Tal, oder besser gesagt die Hochebene von Sofia besiedelt. Seit dieser Zeit baute man ununterbrochen Siedlungen, die langsam zu einer Stadt wurden.
Verschiedene Völker kamen und gingen, das Leben riss jedoch nicht ab. Im 5. Jahrtausend v. Ch. siedelten sich in der Hochebene Thraker an. Hier wurde der thrakische Stamm der Serden ansässig, der sich im 5. Jh. v.Ch. an der Staatenbildung des Odrysen-Reiches beteiligte.
Sofia war die Hauptstadt der Serden und ihr Name wird wohl im Dunkeln der Geschichte bleiben, denn die Thraker lehnten aus religiösen Gründen das Schrifttum ab. Ihre Geschichte hielten Griechen und Römer fest.
Laut einigen geschichtlichen Quellen und den wagen Vermutungen einiger Historiker hieß die Stadt Serdonpolis. Betrachtet man sich aber im Namen die griechische Bezeichnung "polis" für Stadt, so wird klar, dass dieser Namen, wenn überhaupt einzig von den Griechen verwendet worden ist.

Als die Römer im 1. Jh.v.Ch. ihre Expansion auf den Balkan einleiteten, fanden sie hier eine befestigte Stadt vor, die sie nicht wenig beeindruckte. Sie benannten die Stadt nach dem darin lebenden thrakischen Stamm - Serdica. Um Christi Geburt wurde Serdica in eine Stadt römischen Stils verwandelt. Die Römer erkannten schnell ihre strategische Bedeutung und so verwandelten sie sie nicht nur in eine der schönsten Provinzstädte des Römischen Reichen, sondern auch in eine fast uneinnehmbare Stadtfestung mit Toren, hohen Mauern und Wehrtürmen.
Im Zentrum Sofias sind viele Zeugnisse römischer Architektur erhalten geblieben und man stößt ständig auf Überreste aus römischer Zeit bei den Bau- und Sanierungsarbeiten. Mit mehr oder weniger Geschick versucht man sie heute in das Stadtbild einzubeziehen.

 

Der Imperator Konstantin der Große, der die Hauptstadt des Römischen Reiches von Rom in die später nach ihm benannte Stadt Konstantinopel am Bosporus verlegte, weilte oft in Serdica und hatte sich lange Zeit mit dem Gedanken getragen, die Hauptstadt hierher zu verlegen. Aus strategischen Gründen tat er es jedoch nicht, besuchte jedoch weiterhin Serdica, das er bis zu seinem Lebensende "sein Rom" nannte.

Die Stadt verwandelte sich von einer heidnisch römischen in eine christlich byzantinische Stadt und blühte auch unter den nachfolgenden Kaisern weiter auf, wie unter Justinian, der der Stadt den Namen „Ulpia Serdica" verlieh, was auf ihre damalige Bedeutung hinweist. Es entstanden großangelegte Bauten, wie beispielsweise die Sophienkirche, die später der Stadt ihren Namen gegeben hat.

Die Völkerwanderung ging an der Stadt nicht spurlos vorüber. Mehrmals verwüstet, blühte sie immer wieder neu auf. Im Jahre 809 wurde Serdica dem bulgarischen Reich einverleibt und erhielt ein Jahrhundert später den Namen Sredetz. Der Name "Sredetz" leitet sich von dem bulgarischen Wort "Sreda", auf Deutsch "Mitte" ab. Man wies darauf hin, dass sich diese Stadt in der Mitte des damaligen Bulgarenreiches befand.
Sredetz wurde in der Zeit zwischen 1018 und 1186 von den Byzantinern eingenommen, die ihr den Namen "Triaditza" gaben. Danach hieß sie wieder, als sie erneut in bulgarischen Besitz überging, Sredetz.

Im Jahrhundert vor der Einnahme Bulgariens und damit auch der Stadt von den Türken wurde ein anderer Name gebräuchlich. Namensgeberin der Stadt wurde auf Grund ihrer Bedeutung die Sophienkirche. Die Kirche, die wir heute im Schatten der Alexander Newski Gedächtniskathedrale sehen, ist übrigens der 5. Bau auf dieser Stelle. Der erste stammt noch aus dem 4. Jh. und der jetzige aus dem Ende des 5., Anfang des 6. Jh. Die Kirche erhielt bei ihrer Weihe den Namen Sophia. Sophia ist ein griechisches Wort und steht für Weißheit. Die Sophienkirche wurde nach der "Weißheit Gottes" benannt. Im Brief des Jakobus, Kapitel 3 Vers 17 lesen wir "Die Weißheit aber von oben ist aufs erste rein, sodann friedsam, gelinde, folgsam, voll Barmherzigkeit und guter Früchte, unparteiisch, ungeheuchelt."

Erst viel später, nämlich im Mittelalter, fand eine Verwechslung statt - an die Stelle der Sophia, der Weißheit Gottes, trat eine Heilige. Ende des 1. und zu Beginn des 2. Jh. lebte den Überlieferungen zu Folge in Rom eine Frau Namens Sophia mit ihren drei Töchtern, Spes, Fides und Karitas (zu Deutsch Hoffnung, Glaube und Liebe). Sie wurden auf Grund ihres christlichen Glaubens Opfer der Christenverfolgungen und zu Märtyrerinnen. Die Reliquien der heiligen Sophia ruhen seit dem Jahre 777 im Elsass, Frankreich.

Erste urkundliche Erwähnungen der Sophienkirche finden wir in einer Stifterurkunde aus dem Jahre 1329. Sie war damals eine der größten Bischofskirchen des Bulgarenreiches. In einer Urkunde des Zaren Iwan Schischman aus dem Jahre 1382, die dem Dragalewzi-Kloster, unweit der Stadt überreicht worden ist, wird vom "Gebiet der Kirche der Hl. Sophia" gesprochen. In jener Zeit war die Bedeutung der Kirche für die Stadt, die Bischofssitz war, so groß, dass man ihren Namen einfach auf die Stadt selbst übertrug. Seit dem Ende des 14. Jh. heißt die Stadt Sophia, benannt nach der Sophienkirche, die heute noch Wahrzeichen unserer Stadt ist. Obwohl die Kirche der "Weißheit Gottes" geweiht ist, wählten die Stadtväter in jüngster Zeit als Schutzpatronin der Stadt die heilige Sophia, die am 17. September verehrt wird.

Quelle: www.bnr.bg

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