Was bringt Menschen unterschiedlichen Alters mit unterschiedlichen Interessen zusammen? U.a. die Angelleidenschaft - ein Hobby, das auch von den Mitgliedern des Angelklubs "Stari Widri", zu Deutsch "Alte Fischotter", geteilt wird. Der vor zehn Jahren von elf Hobbyanglern gegründete Klub zählt heute über 100 Mitglieder. Der Klub ist Mitglied der Vereinigung der Jäger und Angler sowie des Bulgarischen Angelverbandes. Geleitet wird der Klub vom Finanzfachmann und Unternehmer Stefan Mintschew.
"Unser Klub vereint Mitglieder aus allen Teilen des Landes - aus Sofia, Plowdiw, Burgas, Russe, Plewen, Weliko Tarnowo als auch aus Kleinstädten und Dörfern - erzählt Stefan Mintschew. "Das Angeln ist vor allem Männersache, aber unserem Klub gehören auch drei Damen an. Zwei sind Ehefrauen von Klubmitgliedern. Die dritte Dame ist Zahnärztin und eine begeisterte Hobby-Anglerin. Unser Mitglieder haben die verschiedensten Berufe - Volkswirte, Rechtsanwälte, Ärzte, Journalisten u.a. Um in unserem Klub Mitglied zu werden, braucht man mindestens zwei Fürsprecher. Das ist zusagen eine Vorsichtsmaßnahme, die uns vor Wilderern in unseren Reihen schützen soll. Unsere Hauptanliegen sind der Kampf gegen Wilderei sowie der Erhalt der Fischbestände. Alljährlich führen wir 15 verschiedene Aktionen durch. Ein Drittel meiner Klubarbeit widme ich organisatorischen Tätigkeiten. Auch haben wir sehr nützliche Veranstaltungen in unserem Programm, wie beispielsweise Umweltaktionen - wir reinigen Flüsse und setzen aus Eigenmitteln Jungfische wie Balkanforellen, Flusswelse, Zander und Hechte aus. Auch organisieren wir in verschiedenen Teilen des Landes Kurse für Kinder. In den zehn Jahren unseres Bestehens haben wir bereits 20 solcher Lehrgänge veranstaltet, wie u.a. in Russe, Weliko Tarnowo sowie am Iskar-Stausee und am Pantscharewo-See bei Sofia."
Das diesjährige Programm des Stari-Widri-Klubs enthält zwei Umweltaktionen verbunden mit der Säuberung der Stauseen Ognjanowo und Iskar, einen Angelkurs für Kinder sowie mehrere Wettbewerbe im Spinnfischen. "Natürlich werden wir auch bei den Landes- und Weltmeisterschaften im Spinnfischen an den Start gehen. Bei diesen Wettbewerben haben wir schon mehrere Medaillen gewonnen", erzählt Stefan Mintschew stolz.
"Unsere Kinderkurse sind kostenlos. Die Kids werden u.a. mit Angeln, Rollen und Kunstködern ausgestattet - erklärt Stefan Mintschew. - Auch erhält der Nachwuchs für den absolvierten Angelkurs eine Urkunde. Alle unsere Veranstaltungen finanzieren wir aus Eigenmitteln sowie aus Spenden unserer Anhänger. In der Regel konzentrieren wir uns auf Wildfische wie Forelle, Döbel, Barsch, Wels und Zander. Nur Lachs habe ich noch nicht geangelt. Ich hoffe jedoch, dass ich das im Herbst in Schottland nachholen kann. Ich habe bereits in fast allen europäischen Staaten die Angel ausgeworfen. In Bulgarien gibt es sehr viele gute Angelgründe, auch haben wir sehr schöne Flüsse, die ihre heutige Sauberkeit dem Rückgang der Industrie verdanken. Auch gibt es in Bulgarien Dutzende Stauseen. Leider wird in diesen Gegenden oft gewildert, was zu rückläufigen Fischbeständen geführt hat."
Im vergangenen Jahr schloss sich der Klub freiwillig einer Anti-Wilderer-Aktion des Amtes für Fischfang und Aquakulturen an. "Wir haben uns mit unseren Fahrzeugen an diesem Einsatz beteiligt. Mit unseren Booten haben wir u.a. Wilderer gestellt und deren Netze eingeholt" erzählt Stefan Mintschew. Wir wollen vom Klubchef wissen, welche Ausmaße die Wilderei in Bulgarien hat.

"Für viele ist die Wilderei ein lukratives Geschäft. Der Fisch wird u.a. über die Donaubrücke ins benachbarte Rumänien geschmuggelt - erklärt Stefan Mintschew. - Darüber hinaus beliefert man viele einheimische Restaurants und Gaststätten. Die Wilderei stellt ein ernsthaftes Problem dar. Allmonatlich werden illegal große Mengen an Fisch gefangen. Der Bulgare ist sehr erfinderisch. Selbst im Rila- und Piringebirge sind wir schon auf Wilderer gestoßen, die als Wanderer maskiert Fischnetze in ihren Rucksäcken hatten, mit denen sie hoch im Gebirge auf Beutefang gehen wollten. Allerdings ist dort die Wilderei weit weniger verbreitet als an den großen Stauseen wie Titscha, Batak, Dospat und Iskar, die man bequem per Fahrzeug erreichen- und wo man sein Boot bequem ins Wasser lassen kann. Die Strafgebühren für illegalen Fischfang sind mit bis zu 750 Euro nicht besonders hoch. Gegen manche Wilderer wurden bereits mehrere Geldstrafen verhängt, die jedoch unbeglichen in der Schublade liegen. Die Wilderei muss kriminalisiert werden. Wenn die ersten Wilderer ins Gefängnis wandern, werden es sich ihre Artgenossen gut überlegen, ob sie ihrem Beispiel folgen wollen."
Nichtsdestotrotz ist das Angeln nach wie vor eine ausgezeichnete Gelegenheit, um abzuschalten sowie den stressigen Alltag der Großstadt hinter sich zu lassen. Und nicht zuletzt ist das Angeln der weltweit meist verbreitete Massensport.
Quelle: www.bnr.bg