Seit Urzeiten bringen die Farben jeweils etwas ganz bestimmtes in den Vorstellungen der Menschen zum Ausdruck. Die Sprache der Farben gehört somit zu den ältesten Kommunikationssystemen der Menschheit. Schon früh sind den Menschen die prächtigen Farben der sie umgebenden Umwelt aufgefallen, angefangen bei den Felsen und dem Meer, über die Blüten und die Schmetterlinge bis hin zur Sonne, dem Himmel und den Regenbogen. All diese Schönheit wurde auch besungen.
Man kann sicher lange über die Semantik der Farben in den verschiedenen Kulturen und Religionen sprechen. In den meisten Völkern kommt der roten Farbe ein besondere Bedeutung zu. Rot ist das Blut, der Wein und die Glut - Dinge, denen in vielen Ritualen eine Schlüsselbedeutung zukam. Und so war einst in Bulgarien auch der Brautschleier rot, denn er sollte die Jungvermählte beim Übergang vom Mädchen zur Frau schützen. Der Brautschleier wurde 40 Tage lang getragen und in einem speziellen Ritual abgelegt. Mit roten Stickerein waren auch die Tücher versehen, mit denen die Braut bei der Hochzeit ihre Hände bedeckte. Rot bestickt waren auch ihre Strümpfe. Kein Teil ihres Körpers durfte ungeschützt bleiben; sie durfte nicht einmal die nackte Erde berühren. Aus diesem Grund musste die Braut beim Eintreten in den Hof ihres künftigen Mannes nur auf weiße Laken treten, die speziell zu diesem Zweck gewebt wurden. In einigen Regionen Bulgariens nutzte man anstatt der Laken einen besonderen Läufer mit einem rote Faden darauf. Die Braut schritt voran und musste immer auf diesen Faden treten; der Bräutigam ging hinter ihr und wickelte den Faden zu einem Knäuel auf. Sobald später das erste Kind geboren wurde, strickte die Frau eine Windel aus dieser Wolle.
Die Farbe Weiß gilt auch in Bulgarien als Zeichen für Unschuld und Unbeflecktheit, aber auch für Freude, Erhabenheit und Schönheit. In vielen Liedern, in denen ein Mädchen beschrieben wird, heißt es, dass es ein weißes Gesicht hat. Damit meint man, dass es schön sei. Weiß ist auch das Hemd den Jünglings; der Südwind wurde zuweilen auch „weißer Wind" genannt. Weiß ist ebenso die Tracht der Braut, wie auch das Pferd, mit dem sie in ihr neues Heim einreitet. Weiß ist aber auch der Blumenstrauß, mit dem man sich von einem Toten verabschiedete. Weiß symbolisiert nämlich die Verbindung zum Jenseits. Unsere Vorfahren glaubten, dass die Seelen der Verstorbenen, wie auch die Engel weiße Gewänder tragen.
Die Berührung mit dem Grün einiger Pflanzen beschere Gesundheit und ein langes Leben, waren die alten Bulgaren überzeugt. Kränze mit Blumen, Waldstorchschnabel und Efeu schmückte bei besonderen Anlässen die Köpfe der Mädchen. Blumen wurden ebenso in die Haare der Braut eingeflochten. Interessant ist auch der Brauch, bei dem ein Bursche einem Mädchen zu verstehen gab, dass er es mag - er nahm ein grünes Sträußchen und klopfte damit dem Mädchen auf Kopf, Schulter oder Hände.
Früher war es Brauch, Hochzeitskränze zu winden. Diese fertigten die Brautjungfern an - die Kränze selbst waren aber stets ein Zeichen der Familie des Bräutigams. Der größte Kranz wurde an die Tür des Schlafzimmers des jungen Paares gehängt. Die Braut selbst hatte auch in Bulgarien einen speziellen Brautstrauß, in dem jedoch Goldmünzen und ein Ring eingeflochten waren. Wenn die Mädchen die Kränze und Sträuße anfertigten, mussten sie die ganze Zeit über singen. Bevorzugt wurden Blumen und Pflanzen in den Farben Weiß, Grün und Rot. Die gewebten Gürtel des Bräutigams, wie auch die Festgewänder zur Hochzeit waren hingegen weitaus bunter.
Quelle: bnr.bg