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Silvester in Bulgarien: Surwakari und Baniza mit Glückslosen

Veröffentlicht am: 08 01 2013

Das Neue Jahr feiern die Bulgaren ausgiebig und lange. Und meistens halten sie auch die alten Traditionen ein. Wir werfen einen Blick zurück in die Vergangenheit und schauen, welche Rituale und Bräuche unsere Vorfahren mit dem Neuen Jahr verbinden. Dabei hilft uns die Ethnologin Wichra Baewa von der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften.

„Neujahr ist ein wichtiges Fest im Kalender der Bulgaren, wenn der Neuanfang gefeiert wird", sagt Wichra Baewa. „Heute ist es vermutlich nicht mehr so wichtig, welche Bedeutung dieses Fest hat. Für unsere Vorfahren war es aber ganz anders und davon zeugen die Vorbereitungen auf das Fest. Und sie setzten bereits am 20. Dezember an, am Ignatiustag, einem großen volkstümlichen Fest im Winterkalender. Der Ignatiustag war im Volkskalender der erste Tag des neuen Jahres. Am Abend vor dem Festtag bereitete die Hausfrau die für den Ignatiustag typischen Mahlzeiten vor, die in der Fastenzeit erlaubt waren, wie auch das Ritualbrot. Der erste Gast am Ignatiustag, genannt polasnik, nahm das Brot in die Hand und durfte es brechen. Er kostete von allen Mahlzeiten und wünschte der Familie Gesundheit, Fruchtbarkeit und Wohlergehen. Am ersten Gast am Ignatiustag deutete man auch das Jahr. War er reich, so sollten die Gastgeber keine Geldsorgen haben. War er glücklich, sollten die Gastgeber auch glücklich sein", erzählt die Ethnologin Wichra Baewa.

Nach Ignatiustag folgt der zweite wichtige Festtag im Volkskalender der Bulgaren - Weihnachten. Und der dritte wichtige Festtag im Zyklus ist der Wassiliustag am 1. Januar. Dann feiern auch alle, die den Namen des Heiligen tragen. Er lebte im 4. Jahrhundert.

Am 1. Januar ehrt die bulgarische Folklore jedoch viel mehr das Mädchen Wassilija, die eine beliebte Wahrsagerin aus der vorchristlichen Zeit war. Sie war für ihre Wahrsagungen über die von den Mädchen heiß erwarteten Hochzeit bekannt. Am 1. Januar sind dann auch die sog. Surwakari unterwegs. Unter den Klängen von Volksliedern wünschten die Kinder mit ihren bunten Neujahrsruten Glück und viel Erfolg im neuen Jahr, erzählt Wichra Baewa.

„Auch heute noch bastelt man in Bulgarien Neujahrsruten von Stängeln der Kornelkirsche", sagt die Ethnologin weiter. „Die Neujahrsruten werden mit selbstgebackenen Brezeln und buntem Papierschmuck verziert. Dieser Brauch ist meist zur Freude der Kinder, die ihre Eltern und Großeltern begrüßen und singen. Die Kornelkirsche symbolisiert die Gesundheit, denn die Stängel dieses Baumes sind besonders zähe und widerstandsfähig", erläutert Baewa. „Glück und Gesundheit im neuen Jahr wünschten mit der Neujahrsrute auch Junggesellen - sie zogen durch die Häuser im Dorf, wo unverheiratete Mädchen wohnen. Die Junggesellen trugen auch die für die Hochzeit typischen Trachten - um die Schulter wurden bunte Handtücher gebunden, um den Hals band man ihnen rote, blaue und grüne Perlen um. Am Hut brachten die Frauen in der Familie des Jungen Efeu und andere ewig grüne Blumen an. Die Vorbereitung ähnelte der Hochzeitsrituale. Im Haus des Mädchens fand dann anschließend eine Art Wettsingen statt", erzählt die Ethnologin Wichra Baewa.

Die Surwakari, die mit diesen Neujahrsruten Glück und Gesundheit im neuen Jahr wünschen, sind meistens Kinder und junge Männer. Früher zogen sie nicht nur in der Sivesternacht durch die Häuser, sondern auch in der Zeit zwischen Weihnachten und dem Johannistag am 6. Januar. Diese Tage werden auch noch "schmutzige Tage" genannt, denn dies sei die Zeit der dämonischen Kräfte, als Christus geboren, aber noch nicht getauft worden war. Die Heilige Taufe findet am Johannistag am 6. Januar statt. In den verschiedenen Landesteilen sind verschiedene Ritten verbreitet. Was sie alle gemein haben, ist die Andeutung auf eine Hochzeit, auf einen neuen Anfang.

Um die Jahreswende vollführen aber nicht nur die jungen Männer traditionelle Rituale. Auch die jungen und unverheirateten Mädchen versammelten sich in der Silvesternacht und rätselten über ihren künftigen Auserwählten. Auch sie suchten die Rückhalt der Natur - die Mädchen tauchten ihre Fingerringe in ein Wasserkesselchen ein, das die Silvesternacht über unter freiem Himmel bleiben musste. Das Wasser musste aus einer frischen Quelle aufgefüllt werden. Die Fingerringe band man an kleinen Sträußchen ewig grüner Blumen, wie Geranium, Basilikum u.a. Am frühen Morgen des 1. Januar versammelten sich die Mädchen und sangen den ganzen Tag lang in Erwartung der Surwakari. Abhängig davon, welcher Ring aus dem Wasserkesselchen herausgeholt wurde, als die Junggesellen ins Haus kamen, wusste man, welches Mädchen als erstes im neuen Jahr heiraten würde.

Bekanntlich ist das Essen einer der Höhepunkte bei jedem Fest. So auch, wenn das neue Jahr gefeiert wird. „Die Festtafel an allen Tagen zwischen Weihnachten und Johannistag wurde vom Familievater geweihräuchert; deshalb nennt man die Abende auch noch "Weihabende". Die alten Bulgaren glaubten, dadurch die dunklen Mächte im neuen Jahr abzuschrecken, denn sie scheuen den Weihrauch. Und während am Heiligabend fleischlose Gerichte auf den Tisch kommen, weil der 24. Dezember in die lange Fastenzeit vor Weihnachten fällt, so wird das neue Jahr in der Silvesternacht mit üppigem Essen begrüßt. Auf dem Tisch in der Sivesternacht dürfen drei Dinge nicht fehlen - selbstgebackenes Brot, Schweinefleisch und der typische bulgarische Käsekuchen, Baniza, mit Glückslosen", betont Wichra Baewa.

Erst nach dem festlichen Abendessen folgten die Glück- und Gesundheitswünsche mit der Neujahrsrute, über die wir zu Beginn unserer Sendung erzählten. Die jungen Männer warteten bis zum Sonnenaufgang, um loszuziehen. In den Häusern, wo sie als willkommene Gäste erwartet waren, beschenkte man sie mit selbstgebackenen Brezeln, trockenen Früchten, Würstchen, Popcorn und man schenkte ihnen Silbermünzen.

Quelle: http://bnr.bg

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